Wir über uns

Wir wollen in Tübingen gemeinsam mit anderen Institutionen und zahlreichen Einzelpersonen ein...

Weiterlesen …

Aufruf des Gedenkstättenverbunds

Aufruf des Gedenkstättenverbunds für eine demokratische Gesellschaft

 

Ein breites Bündnis für die demokratische Gesellschaft ist notwendig!

 

Über 900 Straftaten (Brandanschläge, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung) gegen Flüchtlingsheime, fast 14.000 rechtsextreme Straftaten gab es im Jahr 2015, d.h. jeden Tag wurden im letzten Jahr fast 40 Straftaten von Rechtsextremen und rechten „Wutbürgern“ verübt. Angefeuert werden sie von Agitatoren der „PEGIDA“-Bewegung, von rechtsextremen Parteien wie der „NPD“, „Der III. Weg“, „Die Rechte“, den „Republikanern“, von Politikern der „Alternative für Deutschland“ (AFD), von selbsternannten Bürgerwehren und Initiativen, die das Schreckensszenario vom drohenden Untergang des deutschen Abendlands durch eine angebliche Zuwanderungsflut an die Wand malen. Selbstverständlich können Deutschland und Europa nicht 60 Millionen Flüchtlinge aus aller Welt aufnehmen – aber doch kann vielen Menschen im reichen Europa geholfen werden. Zuwanderung braucht vernünftige und rechtsstaatliche Lösungen, d.h. Aufnahme und Integration von Kriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten in der EU, ein Einwanderungsgesetz, das Armutsflüchtlingen eine Chance auf Migration gibt, sowie eine Entwicklungspolitik, die Armut, Hunger, Terror und Krieg als Fluchtursachen bekämpft. Gegen Flüchtlinge braucht es keine Hassparolen, bewaffneten Grenzschutz, Verschwörungsmythen und Lügen in den sozialen Medien.

 

Hetze gegen Flüchtlinge, demokratische PolitikerInnen, Medien und Bürger Innen ist menschenverachtend und zielt oft direkt gegen die demokratische Grundordnung. In unserer Region hetzen die genannten Parteien, der Grabert- und der Hohenrain-Verlag in Tübingen. Der Kopp-Verlag in Rottenburg gibt rechtspopulistischen Journalisten und geschichtsrevisionistischen Historikern eine Plattform, macht Werbung für entsprechende Publikationen und erzielt mit Verschwörungsliteratur riesige Umsätze. Im Internet hetzt u.a. der „Rottweil Weblog“ gegen alle Menschen, die sich um Flüchtlinge kümmern. Innerhalb von wenigen Wochen wurden in Rexingen und Horb zwei Infotafeln des Rexinger Synagogenvereins über ehemaliges jüdisches Leben zerstört. Polizei und Justiz sind gefordert, alle Rechtsbrüche konsequent und ohne Beschönigung aufzuklären und zu ahnden.

 

Wenn es eine Lehre aus der deutschen Geschichte gibt, dann die, dass eine konsequente Ächtung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus für alle demokratisch gesinnten Menschen, demokratischen Parteien und Institutionen Grundkonsens und zentrale Aufgabe sein muss.

Deshalb begrüßen wir außerordentlich die Gründung der „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“, die u.a. vom DGB, vom Arbeitgeberverband, von der Katholischen und Evangelischen Kirche, der Liga der freien Wohlfahrtspflege, vom Deutschen Olympischen Sportbund, vom Zentralrat der Juden in Deutschland und vom Koordinationsrat der Muslime ins Leben gerufen wurde und sich mit dem Aufruf „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ an die breite demokratische Mehrheit in unserer Gesellschaft gewandt hat.

 

Die Gedenkstätten haben aufgrund ihrer zentralen Aufgabe zur Vermittlung historischen Lernens und Wissens über die NS-Zeit eine besondere Verantwortung, das Wort gegen rechtsextreme und rechtspopulistische Hetze zu ergreifen und Bildungsangebote zu machen.

 

Deshalb bittet der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb e.V. alle ihm verbundenen Bürgerinnen und Bürger:

 

  • Treten Sie menschenverachtenden Äußerungen entgegen.
  • Verurteilen Sie rechtsextreme, rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen und Straftaten in Ihrem Umfeld.
  • Helfen Sie mit guten Argumenten zur Versachlichung in der Flüchtlingsdebatte.
  • Wählen Sie bei der Landtagswahl nur demokratische Parteien.
  • Empfehlen Sie die Gedenkstätten und nutzen Sie unsere Informations- und Bildungsangebote als Lernmöglichkeit aus der NS-Geschichte mit aktuellen Bezügen.

 

Heinz Högerle (für den Vorstand und Beirat des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb e.V. und seine Mitgliedsinitiativen)

 

Dr. Martin Ulmer (Geschäftsführer des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb e.V.)

Stellungnahme zu unserem Konzept

Stellungnahme des Vereins Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus e.V. Tübingen, 28.1.2015

 

Als Verein Lern- und Dokumentationszentrum zum Nationalsozialismus begrüßen wir die öffentliche Debatte, die seit unserer Pressekonferenz in Gang gekommen ist. Sachliche Kritik ist wichtig für unser Anliegen, und wir werden sie gerne aufnehmen. Dazu gehört sicherlich, dass wir uns noch stärker in der Region vernetzen werden. In der Berichterstattung der letzten Wochen wurden nun aber einige Punkte angesprochen, zu denen wir Stellung nehmen möchten, um falschen Eindrücken zu begegnen.

 

Das LDNS ist keine Konkurrenz für das Stadtarchiv. Nicht nur würden beide Einrichtungen ohne weiteres im Güterbahnhof Platz finden, sondern es ergäben sich viele Synergieeffekte. Zunächst könnten Veranstaltungsräume gemeinsam genutzt werden, womit sich die 250 m2 Raumbedarf, die zusätzlich zur 300 m2 großen Ausstellungsfläche am Beobachtungsstand notwendig sind, relativieren. Und Büro-, Bibliotheks- sowie Veranstaltungsräume, die ganzen Schulklassen die benötigten Arbeitsmöglichkeiten bieten, ließen sich auch auf Untergeschoss und Kopfbau verteilen.
Dass sich die Bestände des LDNS hervorragend mit den Archivalien des Stadtarchivs zur Geschichte des NS ergänzen würden, muss nicht eigens hervorgehoben werden. Besucher könnten darüber hinaus zu Fragen der Vor- und Nachgeschichte der NS-Diktatur problemlos recherchieren. So würde das Archiv ganz erheblich vom LDNS profitieren – wie auch umgekehrt. Diese Einschätzung bestätigte sich in unseren Gesprächen mit dem Stadtarchiv.

 

Es stimmt: Der Bau des Beobachtungsstandes wie auch der Einzug der Brandschutzmauer im Güterbahnhof waren Teil der allgemeinen Kriegsvorbereitungsmaßnahmen. Unabhängig aber von der Frage, ob der Beobachtungsstand allein zur Bewachung von Kriegsgefangenen oder für andere Zwecke gebaut wurde, bleibt die gesamte Güterhalle samt Verladebahnsteig ein authentischer Ort der Zwangsarbeit und somit des repressiven Charakters der nationalsozialistischen Herrschaft. An ihm lässt sich exemplarisch die Geschichte von Tätern und Opfern erzählen, ebenso die Rolle Tübingens, auch in ihrer Bedeutung für die Region Südwürttemberg. Und eben weil die Geschichte immer komplexer als ein authentischer Ort ist, bedarf es eines Lern- und Dokumentationszentrums, das diese Komplexität vermittelt. Schülern wie Erwachsenen fällt es nun einmal leichter, vor Ort zu lernen. Diese Erkenntnis soll auch in die neuen Bildungspläne in Baden-Württemberg einfließen, die den Besuch von Gedenkstätten und Lernzentren zum NS vorsehen. Der Bedarf, so bestätigten uns auch die beiden Lehrer auf unserer Pressekonferenz, ist da, es fehlt noch das entsprechende Angebot in Tübingen. Wenn dann vor Ort noch professionelle Angebote in Gruppenarbeit und Einzelarbeit mit interessanten Materialien und digitalen Medien zum weiterforschenden Lernen vorhanden sind, kann der Bogen zu aktuellen Problemen wie Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gut gespannt werden.

 

Die Kritik der letzten Wochen zeigt, wie viel Recherche zum Nationalsozialismus in Tübingen und der Region noch nötig ist. Als ein Verein, der von bürgerschaftlichem Engagement und ehrenamtlicher Arbeit getragen wird, können wir dies nur begrenzt leisten. In unseren Arbeitskreisen, die auch Nicht-Mitgliedern offen stehen, widmen wir uns einerseits der Aufarbeitung der Geschichte von Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft in der Region, andererseits setzen wir uns mit Fragen der Ausstellung und Konzeption auseinander. Hierfür tauschen wir uns regelmäßig mit externen Experten aus, und die Mitglieder unseres Beirats achten auf die Qualität unserer Arbeit. Entsprechend basieren unser Kostenplan und Finanzierungsvorschlag auf Erfahrungen von Gedenkstätten und Lernorten vergleichbarer Größe.

 

Muss es ein Lern- und Dokumentationszentrum mit regionalem Schwerpunkt sein? Wir meinen: ja. Seit Vereinsgründung herrschte darüber Konsens, dass die Stadtgeschichte eine wichtige Rolle spielen muss, eine Beschränkung darauf aber kontraproduktiv wäre. Tübingen war und ist ein wichtiges Verwaltungszentrum, das weit in die Region hinein wirkt. Deshalb würde eine Beschränkung auf die NS-Stadtgeschichte zu kurz greifen. Ein inhaltlicher Schwerpunkt soll die Zwangsarbeit sein, die bisher wenig erforscht ist. Anhand von Beispielen aus der Region soll die Bedeutung der Zwangsarbeit in einen größeren Gesamtzusammenhang gestellt werden. Sie gab es überall, war alltäglich, prägte und hierarchisierte die NS-Gesellschaft. Nur kleinstädtisch lässt sie sich nicht erfassen.
Ein Lern- und Dokumentationszentrum wäre ein Alleinstellungsmerkmal Tübingens. Es würde die bestehenden Gedenkstätten sinnvoll ergänzen und würde so als „Frequenzbringer“ nicht nur das Güterbahnhofsviertel beleben, sondern ganz Tübingen würde profitieren.

 

Als nächsten Schritt schlagen wir die Einberufung eines Runden Tisches vor, bei dem alle Nutzungsinteressenten mit Vertretern der Stadt über die Zukunft des Güterbahnhofs debattieren können.

Aktuelles

Unser Jahresprogramm 2014. Zum Vergrößern des Flyers bitte das Miniaturbild anklicken.

Wichtiger Hinweis!

Die im Jahresprogrammm (Flyer) für den 24.1. angekündigte Veranstaltung ist auf den 7. Februar verschoben worden.